Gerd Unterstenhöfer
Prostatakrebs und Psyche
Für viele Prostatakrebskranke ist dieses Thema so angstbesetzt, dass sie es vorziehen, den vorliegenden Beitrag gar nicht erst zu lesen; sie halten ignorieren für die angemessene Strategie.
Aber auch die prostatakrebskranken Leser sind Männer, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Meister im verheimlichen, verstecken und verdrängen sind; das alles tun wir mutigen Männer aus Angst: Nur 18% von uns gehen zur Vorsorgeuntersuchung aus Angst, dass die Diagnose so lauten könnte, wie wir Betroffene sie ja inzwischen erlebt haben. Viele von uns verschweigen und verstecken die Diagnose und die ganze Krankheit vor Freunden, Bekannten und sogar Angehörigen aus Angst, jemand könnte schlecht über uns denken und an unserem Lack kratzen. Dabei treiben wir dieses Versteckspiel nicht nur mit dem körperlichen Teil von uns selbst oder wie die Ärzte sagen dem somatischen Teil. Wir sind nämlich nicht nur somatische sondern psychosomatische Lebewesen, d.h. wir haben nicht nur einen Körper sondern noch einen anderen genauso wichtigen Teil, nämlich unser Bewusstsein und unser Unbewusstes. Beides zusammen nennen wir Psyche oder Seele. Und was die Psyche angeht, da übertreffen wir unsere bereits erwähnte Meisterschaft im Verstecken und Verdrängen noch ganz erheblich. Wir tun das, was wir schon unser Leben lang getan haben, wenn wir uns vor unangenehmen Erlebnissen und Gefühlen schützen wollen, wir verdrängen; und auch hier dürfte Angst die Ursache für unser Handeln sein.
Wenn wir unsere Diagnose Prostatakrebs erhalten, trifft uns unser Seelenschmerz mit voller Wucht und wir fallen in das berühmte tiefe Loch. Dieses Loch besteht aus Depression, (die nicht nur Traurigkeit einschließt, sondern auch Selbstmitleid, Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit), und Angst. Und auch jetzt ist unsere Standardreaktion, durch verdrängen aus diesem Loch herauszukommen. Und auf eine oberflächliche Art und Weise gelingt das sogar; d.h. wir verdrängen unsere Traurigkeit, unsere Schuldgefühle, unsere Hoffnungslosigkeit und unsere Angst aus unserem Bewusstsein. Es gelingt uns auf diesem Wege allerdings nicht die seelischen Verletzungen und die falschen Glaubenssätze, die die Ursachen für unsere Depression und Angst sind, zu heilen. Im Gegenteil, alles, was wir in unser Unbewusstes verdrängen, ist zwar unserem Bewusstsein größtenteils entzogen, bleibt aber weiter vielleicht sogar verstärkt wirksam und behindert unsere Heilung. Das Verdrängte hat weiter Einfluss auf unser Denken und Handeln; es martert uns nun, wenn wir nachts vergeblich nach Schlaf suchen, es meldet sich in unseren Träumen und äußert sich weiterhin in depressiven Stimmungen und Schüben.
Die neueste Entdeckung bezüglich unserer Psyche während der letzten Jahre besagt, dass bestimmte innere, geistige Zustände die Stärke des Immunsystems und die Belastbarkeit des Herz-Kreislaufssystems stark beeinflussen.--- Die schädlichen Zustände sind Wut oder Feinseligkeit, Depression und Verdrängung (oder auch das Leugnen von Angst). --- Die heilsamen Zustände sind Ruhe, Optimismus, Selbstvertrauen, Freude und Güte.
Die Psychoneuroimmunologie ist die Wissenschaft von den Beziehungen zwischen dem Nervensystem, dem Immunsystem und mentalen Zuständen. Die Ergebnisse der Psychoneuroimmunologie beweisen auf der wissenschaftlichen Ebene die heilsame Wirkung, die eintritt, wenn wir unsere seelischen Konflikte gelöst haben, und die sich dann in Ruhe, Optimismus, Selbstvertrauen, Freude und Güte äußern.
Es gibt heute hoch wirksame Verfahren, die wir nur kennen und lernen müssen, um unsere seelischen Verletzungen und falschen Glaubenssätze (ich bin im Kern meines Wesens nichts wert; ich kann mich selbst nicht glücklich machen; etc) ins Bewusstsein zu heben, damit sich die seelischen Wunden schließen können und damit wir unsere lebensfeindlichen Glaubenssätze erkennen, sie löschen und durchlebensbejahende und heilsame ersetzen können.
Die Kombination dieser leicht erlernbaren Verfahren nennen wir Palimpsesto, (Palimpsest nennt man gemeinhin eine Jahrhunderte alte Handschrift, die auf Papyrus oder Pergament geschrieben ist, bei der die ursprüngliche Schrift beseitigt und durch eine jüngere ersetzt ist. Es gibt heute Hilfsmittel, die dazu dienen, auch die ältere Schrift zu entziffern.)
Der Palimpsesto ist , im Gegensatz zu den schulmedizinischen Therapien ein Verfahren, bei dem ich als Betroffener selbst aktiv etwas gegen den Krebs tun kann.
Es ist selbst für die Schulmedizin außer allem Zweifel, dass die Patienten, die bei der Therapieentscheidung mitwirken und während der Therapie mit dem Arzt kooperieren, wesentlich höhere Lebenschancen und -qualität haben. --- Bei allen bekannten schulmedizinischen Verfahren, welche es auch sein mögen, muss der Patient im wesentlichen die Dinge aber geschehen und über sich ergehen lassen. Im Palimpsesto kann ich selbst aktiv werden und insofern zu meiner Heilung beitragen.
Hilfe darf nicht abhängig machen; daher ist die beste Hilfe die Selbsthilfe; und diese Selbsthilfe wird durch lernen möglich.
Geben wir unserer Psyche die Chance, uns zu helfen und zu unserer Heilung beizutragen.