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Ausschnitte aus einem Beitrag der RNZ:

,,Ich habe erlebt, was Schmerzen sind"

Chefarzt Dr. Peter Trunzer schildert in einem Buch mit dem Titel ,,Kehrseite" sein Leben mit dem Krebs

Von Günther Keller

Bad Rappenau.   Er war 23, da wurde das erste Krebsgeschwür entdeckt. Nach der Operation eine neue Hiobsbotschaft: Der Tumor hatte Metastasen gebildet. Zwei Jahre später hatte Peter Trunzer vier schwere Operationen hinter sich, mit allen negativen Begleiterscheinungen vom Ekel vor dem Essen bis zum Haarausfall. ,,Ich fühlte mich so hilflos und einsam, besonders nachts", schreibt der damalige Medizinstudent in sein Notizbuch Und: „Ich lernte, was Schmerzen sind". Peter Trunzer überlebte. Heute ist er Chefarzt der Bad Rappenauer Kraichgau-Klinik. Seine Patienten: Menschen, die von Krebsoperationen genesen, und Leute, die von chronischen Schmerzen geplagt sind.

Anderen Mut zum Leben zu machen, sieht der inzwischen 43-Jährige als eine seiner Hauptaufgaben als Mediziner. Deswegen spielt er gelegentlich in der Klinik den Patienten auf der Gitarre vor, schreibt Humoresken ....

.....Jetzt ist auch noch ein Buch von Peter Trunzer erschienen. ,,Kehrseite - kein Arztroman" heißt es und zeigt auf dem blauen Einband ein Krebstier mit großer Schere. Auf 128 Seiten legt der gebürtige Kirchardter dabei eine Autobiografie vor, getragen von Ernst und Nachdenklichkeit aber auch immer wieder angereichert von kritischen Anmerkungen zum Ärzteberuf und zu den Verhältnissen in der medizinischen Lehre und den Krankenhäusern. Das Buch macht betroffen: Hier schreibt einer, der die Krebskrankheit von beiden Seiten kennt, der Niederlagen und Erfolge im Kampf gegen den Tumor erlebt hat und der in sprachlicher Intensität Grenzerfahrungen zwischen Lebenslust und Todesangst vermittelt.

,,Damals schrieb ich an gegen die Angst und das Vergessenwerden", erinnert sich Trunzer in einem Vorwort an seine ersten Tagebuch­aufzeichnungen, die vor 20 Jahren niedergeschrieben wurden. ,,Denn der Tod war plötzlich nichts Fernes, Abstraktes mehr. Er rückte in meine persönliche Nähe". Dem gegenüber stand die Sprachlosigkeit der Umgebung angesichts des Schreckenswortes ,,Krebs". Das Schreiben wurde für Trunzer zu einem Akt der Selbsthilfe gegen die Gefahr der drohenden Isolation. Er schreibt drastisch und plastisch, ohne falsche Scham über Ängste, wiederkehrende Hoffnungen und Rückschläge während des Krankheitsverlaufs, und er kennt auch kein Tabu bei der Beschreibung eines Empfangs beim auf Außenwirkung bedachten Professor oder bei der Schilderung des Alltags eines von Bürokratie und Wirtschaftlichkeitsdenkens oftmals überforderten medizinischen Apparats.

Und Trunzer gibt eine Botschaft mit, eine Quintessenz seines bisherigen Lebens: ,,Lernen, das Jetzt zu erleben und zu genießen. Ja. Man muss sie sich erleben, diese Freude am puren Sein, diese Augenblickszufriedenheit", schreibt er in seinem Buch.

„Kehrseite" soll ein Buch für alle sein, für die das Thema Krebs kein Tabu ist - ob Therapeuten oder Patienten, ob Angehörige oder (noch) nicht Betroffene. ....

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